Höhenkrankheit

Mrz 17, 2013
Interessantes zum Thema Höhenkrankheit und die wichtigsten Tipps 

Mit steigender Höhe sinkt der Luftdruck und der absolute (nicht relative) Sauerstoffgehalt pro Kubikmeter Luft. Auf 5000 m Höhe ist der Sauerstoffpartialdruck nur noch halb so hoch wie auf Meereshöhe.

0 - 3000 m: mittlere Höhe. Im allgemeinen nur geringe Probleme ab 2500 m.

3000 - 5000 m: große Höhe, Höhenprobleme treten auf, aber vollständige Akklimatisation bis ca. 5300 m möglich.

5000 - 7500 m: sehr große Höhe. Nur unvollständige Akklimatisation möglich.

über 7500 m: Todeszone. Akuter Kräfteverfall, nur kurzer Aufenthalt möglich.

Körperreaktion: Durch oben genannten Gegebenheiten wird weniger Sauerstoff durch die Lunge in den Körper aufgenommen. Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Körper versucht durch erhöhten Pulsschlag und verstärkte Atmung den Mangel auszugleichen. Außerdem wird in einem langsameren Prozeß (4-5 Tage) die Zahl der (sauerstofftransportierenden) roten Blutkörperchen (um bis zu 30-50 %) erhöht (Thrombosegefahr). Normalerweise sind 20-30 % der Blutkapillaren inaktiv. Bei Höhenkrankheit werden einige von ihnen aktiviert, um das Gewebe besser mit Blut zu versorgen. Gleichzeitig wird der anaerobe (sauerstoffunabhängige) Stoffwechsel gefördert.

Körper reagiert: Atmung tiefer und schneller -> mehr Luft gelangt in die Lunge -> Sauerstoffpartialdruck in Lungenbläschen steigt -> Kohlendioxidkonzentration im Blut sinkt -> Säure/Basengleichgewicht des Körpers wird gestört -> es wird vermehrt Hydrogenkarbonat ausgeschieden, um PH-Wert konstant zu halten. Beginn der Reaktionen etwa 1/2 Tag nach erreichen der kritischen Höhen.

AMS = Acute Mountain Sickness ab 3000 m über NN. Ein oder mehrere der folgenden Symptome können auftreten: Erschöpfung, Kopfschmerz, Schwindelgefühl, Halluzinationen, Schlaf- und Appetitlosigkeit, Erbrechen, trockener Husten mit Auswurf, Blau-/Graufärbung von Lippen und Nagelbett (Zyanose). Um Gehirn mit genügend Sauerstoff zu versorgen, wird Durchblutung erhöht. Druck im Hirn steigt -> Kopfschmerzen. Da Blut anderswo gebraucht wird, wird Magen/Darmtrakt unterversorgt -> Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen. Cheyne-Stokes-Atmung: Atemtiefe nimmt in Stufen zu, darauf folgt Atempause von 5-50 Sekunden -> Sauerstoffgehalt nimmt weiter ab (besonders im Schlaf, wenn Atmung nicht kontrolliert werden kann).

Über Nacht häufig Verschlimmerung. Normalerweise klingen Symptome nach einiger Zeit ab. Linderung nur durch Absteigen auf tiefere Höhen zu erreichen.

Verhaltensregeln: langsame Akklimatisation. 2-3 Nächte unter 3000 m schlafen. Aklimatisationstage einplanen. Climb high - sleep low: Schlafhöhe immer nur um 500-600 m steigern (zwischenzeitliches Höhersteigen ist eher nützlich als schädlich, wen es nicht übertrieben wird). Nach 10 Tagen durchschnittliche Anpassung auf 80 %, nach weiteren 5 Wochen auf 95 %.

Ernährung: mind. 4-7 Liter/Tag trinken, das verdünnt das eingedickte Blut und hilft bei der Umstellung des PH-Wertes im Körper. Kein Kaffee/Alkohol, wenig Fett, viel Vitamine und Kohlenhydrate. Nicht zu viel essen, lieber öfter wenig als sich den Bauch vollzuschlagen!.

Überanstrengungen vermeiden, langsam gehen, Puls vom ersten Tag an niedrig halten. Atmung kontrollieren, möglichst durch Nase atmen (Austrocknung, Erkältung).

Teleskopstöcke können Atmung erleichtern

guter Sonnenschutz: Verstärkung der Probleme durch Sonneneinstrahlung, Erschöpfung, Dehydrierung.

HAPE = Höhenlungenödem. Wasseransammlung in der Lunge. Wasser wird durch hohen Blutdruck ausgepresst. Ab 2500-3000 m. Symptome 24 -96 Stunden nach Aufstiegsbeginn. Kurzatmigkeit unter Belastung und trockener Husten (wie bei AMS), Puls und Atemfrequenz steigt weiter, Zyanose-Anzeichen möglich.

Später bleibt Kurzatmigkeit auch bei geringer Belastung erhalten, allgemeine Abgeschlagenheit. Kopfschmerzen, starker Husten, Appetitlosigkeit. Nagelbett-Zyanose, Rasselgeräusche in der Lunge (Stetoskop). Abhören: Ohr zwischen Schulterblätter des Patienten legen, der tief atmen soll. Vergleich mit gesunder Person. 

Später Kurzatmigkeit im Ruhezustand, Puls über 110/min (normal 60-80), Atemfrequienz über 30 (normal 14-18). Brodeln in der Lunge, Husten mit Sekret vermischt, im Extremfall blutiger, hellroter Schaum. Schmerzen im Brustbereich. Gefahr von Cheyne-Stokes-Atmung, Bewustlosigkeit möglich. Lebensgefahr! Sofortige Helikopter-Evakuierung. Sauerstoffgabe 6 l/min. Abstieg mind. 1000 m. Transport in halbsitzender Position, Atmung erleichtern. Gegen Panik beim Patienten ankämpfen. Warm halten, da Kälte zusätzlich Stress auslösen kann. Nach Abstieg 2-3 Tage jede Anstrengung vermeiden.

HACE = Höhenhirnödem, Relativ selten, ab 3500 m möglich, normalerweise ab 5000 m. Schwellung der Hirnmasse durch Ansammlung von Flüssigkeit und abgestorbenen Hirnzellen. Sehstörungen, Kopfschmerz, Gefühllosigkeit in Extremitäten, Koordinationsschwierigkeiten, Gedächtnisverlust, Rechenprobleme, extreme Abgespanntheit, langes wiederholtes Erbrechen, Übelkeit, Zyanose, Krampfanfälle. Kopfschmerzen reagieren nicht auf Schmerzmittel, werden beim Liegen schlimmer. Lebensgefahr! Sofort evakuieren. Transport liegend mit leicht erhöhtem Kopf. Sauerstoff geben.

Thrombose: Durch Dehydration wird in großen Höhen das Blutvolumen verringert, rote Blutkörperchen (vom Körper in Höhe vermehrt produziert) können zusammenkleben. Verstopfungen können Blutversorgung unterbrechen. Lange Wartezeiten im Zelt und enge Kleidung unterstützen Thromben, besonders in Beinen/Waden. Schmerzempfindliche Schwellung entsteht, Körperteil hinter arterienverlegenden Thrombus wird weiß und kalt. Losbrechende Thromben können Lungenembolie verursachen. Vorsorge: Viel Flüssigkeit (3-8 Liter/Tag), Bewegung. Maßnahmen: Kleidung lockern, mit Aspirin Gerinselbildung hemmen, in geringere Höhe transportieren.

Außerdem auftretende Probleme: periphere Höhenödeme, Netzhautblutungen, höhere Neigung zu Erfrierungen.

Optimale Anpassung: Die Anpassung kann man nicht trainieren. Trotzdem ist es günstig, wenn man innerhalb der letzten 6 Monate vor der entscheidenden Tour öfter mal in großen Höhen (über 2.500 m) unterwegs war.

Climb High - Sleep Low (möglichst tiefe Schlafhöhe) ist eine alte Regel. Nach meiner Erfahrung ist es aber ungünstig, wenn man zwischen den Übernachtungen zu hoch aufsteigt. Lieber auch tagsüber nur moderate Höhen-Steigerung.

Nicht zu schnell aufsteigen.

Keine anaerobe Anstrengung in der Anpassungsphase.

Täglicher Schlafhöhengewinn maximal 300 - 500 m.

Alle 1000 m ein zusätzlicher Ruhetag.

Möglichst keine Aufstiegshilfen benutzen.

Hohe Flüssigkeitszufuhr (4-7 Liter/Tag).

Kohlehydratreiche Nahrung.

Dont go up until symptoms go down! (Auf Anzeichen von Höhenproblemen achten!)

Die Anpassung kann von der Tagesform, Fitness, und von psychologischen Faktoren beeinflusst werden.

Bis 5.500 m Höhe kann man sich mit der Zeit (18-20 Tagen) vollständig akklimatisieren. Bei unter 7 Tagen befindet man sich in dieser Höhe im kritischen Bereich!

Zeichen erfolgter Anpassung: Trainingsgemäße Ausdauer, Ruhepuls wieder auf persönlichen Normalwert gesunken (vorher messen!), Vertiefte Atmung in Ruhe und Belastung, periodische nächtliche Atmung, ausreichende Höhendiurese (Harndrang)

Grundregeln: Jeder kann höhenkrank werden, aber niemand muss daran sterben! Jede Gesundheitsstörung ist im Zweifel höhenbedingt! Jede ernste Krankheit ist AMS, solange nicht eindeutig etwas anderes vorliegt! Nur symptomfrei höher steigen! Bei Verschlechterung sofort 500 - 1000 m absteigen! (Nicht in Fallen laufen, z.B. Hochtäler, aus denen man nur über noch höhere Pässe wieder herauskommt.) Höhenkranke nie allein lassen!

Im Notfall: 1000 hm runter, Sauerstoff 2-4 l/min., 250 g Diamox 2 x pro Tag, Drucksäcke (Gamow Bag): Person kommt in Sack, der Sack wird mit Hand- oder Fuß-Pumpe unter Druck gesetzt. Diese Methode lindert Probleme der leichten AMS, kann aber auch bei schwereren Fällen Zeit gewinnen. Problem: Platzangst, Trommelfelle können platzen. Dauer der Behandlung maximal 4-6 h.

Mehr Informationen und weitere interessante links zum Thema finden Sie bei Trekkingguide.de.

 

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