BR 5 aktuell - Im Gespräch mit Christine Kellermann

Okt 19, 2013
Die erste Deutsche auf dem Mount Everest. 1953 erreichten Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay als erste den 8.848 Meter hohen Gipfel des Mount Everest. 1999 schaffte es mit Helga Hengge die erste deutsche Frau über die Nordroute auf den höchsten Berg der Welt.

Die erste Deutsche auf dem Mount Everest

 

Die Münchnerin hatte drei Jahre zuvor ihre Kletterleidenschaft und ihre Liebe zum Extrembergsteigen entdeckt.

Stand: 18.10.2013

Helga Hengge auf dem Gipfel des Mount Everest | Bild: Helga Hengge

 

Hengge war Moderedakteurin in New York, jettete für ihr Magazin um die ganze Welt und lebt heute als Autorin und Gastrednerin mit ihrer Familie in Grünwald bei München. Was treibt so eine Frau dazu an, sich dem Höhenbergsteigen zu verschreiben?

Helga Hengge

 

Es ist die Neugier auf Neues, die Abenteuerlust, die Reduzierung auf das Wesentliche, der Drang nach Herausforderungen jenseits der Modewelt und ihren oberflächlichen Kapriolen. Helga Hengge ist sportlich, aber nicht übermäßig. Sie ist groß, sehr schlank - und dadurch in großer Höhe im Nachteil, wenn die dünne Luft und die körperlichen Anstrengungen den Appetit verdrängen und die Fettreserven schmelzen. Aber die 47-Jährige ist ehrgeizig, zielstrebig und konsequent. Nach dem Mount Everest nahm sie ihr nächstes Projekt in Angriff: die höchsten Gipfel der sieben Kontinente. 2011 hatte sie auch dieses Unternehmen erfolgreich abgeschlossen.

Aus Schwäche eine Stärke machen

Aufstieg zum Mount McKinley (auch bekannt unter den Namen Denali) in Alaska

 

Auf ihren ersten hohen Berg, den fast 7.000 Metern hohen Aconcagua in Südamerika, bereitete sich Hengge mit einem Trainingsprogramm ihres Bergführers vor: jeden Morgen eine Stunde laufen, dann auf die Steps im Fitnessstudio mit einem Rucksack, den sie jede Woche etwas schwerer macht. Sie absolviert nicht die üblichen Vorbereitungstouren, bei denen sich Höhe und Schwierigkeit steigern. Das ist naiv, merkt sie unterwegs, aber da ist es schon zu spät. Trotzdem kämpft sie sich sich bis zum Gipfel durch.

Ausblick über die Antarktis

 

Die Höhenkrankheit ist auch ihre Schwäche auf den nächsten Touren, auch am Mount Everest. Aber sie akzeptiert diese Schwäche: Sie geht noch langsamer, macht noch langsamer Höhe. Das kommt ihr sogar zugute: Die Akklimatisation dauert zwar länger, dafür ist sie dann fit, wenn es darauf ankommt. Dann, wenn der Gipfeltag ansteht. Die Schwäche wird zur Stärke - das gibt ihr Selbstbewusstsein. Gerade in den von Männern dominierten Expeditionen hat es eine Frau nicht leicht. Aber ein Team - das begreift sie - besteht aus vielen verschiedenen Menschen, von denen jeder eine bestimmte Rolle einnimmt. 

Helga Hengge liebt das Einfache, sie kommt mit dem wenigen Komfort klar, der sie umgibt, wenn sie unterwegs ist. Sie liest, sie schreibt, sie träumt. Sie ist weg, sie ist unterwegs. Unterwegs zu sein, das ist ihr auch heute noch ein Bedürfnis. Sie nimmt keine extremen Expeditionen mehr in Angriff, sondern nur noch ausgesuchte Projekte, mit denen sie sich persönlich identifiziert.Fit hält sich Hengge wie viele andere Freizeitsportler: durch regelmäßiges Joggen, Yoga - und natürlich Klettern.

Gespräch: Christine Kellermann, Mitarbeit: Frauke Gerbig

 

 

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