Am Berg und im Business: Für Gipfelstürmer zählt das Team!

Jul 22, 2014
Beim Unternehmerabend des Bauindustrieverbandes NRW beeindruckte Helga Hengge die Gäste mit ihrem spannenden Vortrag über die Herausforderungen am Mount Everest.
Mitgliederversammlung und Unternehmerabend 2014

Die jährliche Mitgliederversammlung und der Unternehmerabend der nordrhein- westfälischen Bauindustrie sind seit 2006 ein erfolgreiches Team. Sie ergänzen sich bestens, weil sie das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. In diesem Jahr trafen sich 120 Unternehmer aus allen Verbandsbezirken am 29. April 2014 im traditionsreichen Düsseldorfer Industrie-Club zu Neuwahlen, zum Informationsaustausch und zum Nachdenken über einen äußerst inspirierenden Vortrag der Extrembergsteigerin Helga Hengge. „Ein klares Ziel, eine überlegte Strategie und die richtigen Taktiken im richtigen Moment. So wird aus Einzelkämpfern ein funktionierendes Team, das auch die entscheidende Phase, am Berg und in einer Verhandlung, meistern kann.“ 

Als Hengge in ihrem Vortrag über ihre eigenen Erfahrungen am Mount Everest berichtete und die Erfolgsprinzipien der Bergbesteigung mit jenen im Business verknüpfte, war der geschäftliche Teil des Tages bereits erfolgreich beendet. Am Nachmittag hatten die Mitglieder ihren neuen Bauindustrie-Präsidenten sowie den neuen Vorstand gewählt und verdiente Unternehmer mit Ehrennadeln ausgezeichnet. Die mitgereisten Partnerinnen und Partner amüsierten sich derweil auf einem Rundgang durch die Düsseldorfer Altstadt. Am Abend trafen dann alle zum geselligen Teil des Tages wieder zusammen und ließen sich von Helga Hengge auf den höchsten Gipfel der Welt entführen, den Mount Everest.

Gastvortrag: „Herausforderungen meistern“

Helga Hengge war die erste Deutsche auf dem Gipfel des Mount Everest und die erste deutsche Frau, die auf den Seven Summits stand. Höhepunkt eines spannenden Lebens zwischen den Extremen kreativer Arbeit und sportlicher Hochleistung. In ihrem Vortrag „Herausforderungen meistern“ gab sie motivierende Einblicke in die Welt des Extrembergsteigens, berichtete von physischen und psychischen Grenzen. Untermalt mit beeindruckenden Bildern aus der faszinierenden und einzigartigen Welt des Himalayas beschrieb sie die Schwierigkeiten, sprach von einem klaren Ziel, verbunden mit Teamwork und Vertrauen. Und sie betonte den Glauben an die eigenen Fähigkeiten wie Durchhalte- vermögen, Mut, Willenskraft, Ausdauer, Kraft sowie kritische Selbsteinschätzung. Mit klarer Sprache zeigte sie auf, wie wichtig ein funktionierendes Team ist, wie man mit der richtigen Strategie, unbändigem Willen und harter Arbeit auch mit Rückschlägen erfolgreich umgeht, trotzdem die Begeisterung im Team hochhält und seine Ziele am Ende erreicht. Eine inspirierende Parallele zwischen Business und Bergbesteigung, die alle Teilnehmer begeisterte und in ihren Bann zog.

Den Berg einteilen.

Extreme Herausforderungen zu meistern, damit kennt sich Helga Hengge aus. Schließlich ist der Everest nicht irgendein Berg und auch die Statistik zeigt, wie schwierig es ist, ihn zu erobern. Nur zwei von zehn Bergsteigern schaffen es am Ende auf den Gipfel und auch wieder hinunter. Die Extrembergsteigerin hat es geschafft, indem sie der Herausforderung Mount Everest eine gewisse Struktur gegeben hat, sich den „Berg” eingeteilt hat. Dazu gehörte die Schaffung eines Basislagers, eines „Headquarters” mit allem, was man für die Expedition braucht. Hier wurde der Expeditionsleiter bestimmt, das Team zusammengestellt, Informationen gesammelt, die Ausrüstung zusammengetragen. Um dann die richtige Aufstiegsroute zu bestimmen, habe man sich mit seinem „Berg” in vielfältiger Weise auseinandergesetzt. Dabei sei es wichtig, betonte Hengge, die unterschiedlichen Talente im Team zu erkennen und zu nutzen. Nicht alle seien geeignet, den„schwersten Rucksack“ zu tragen. Große Ziele, so die Bergsteigerin weiter, erforderten das Setzen von Zwischenzielen. Sie berichtete vom Errichten der verschiedenen Höhencamps, die für den Aufstieg von großer Bedeutung waren. „Große Herausforderungen kann man nicht in einem Stück angehen. Zwischenziele sind ein wichtiger Parameter für das Vorankommen, sie machen Mut und die gesamte Strecke überschaubarer. Denn wer am Zwischenziel zurückschaut, wird sehen, was er alles schon geschafft hat. Hier muss man sich Zeit nehmen, um wieder neue Kraft zu tanken und sich auf Erkundungstouren mit den neuen Herausforderungen bekannt zu machen. Zwischenziele machen Mut für die Strecke, die vor einem liegt.“

Zwischen Willenskraft und Demut.

Von den Sherpas und Tibetern habe sie gelernt, sich nicht von Dingen entmutigen zu lassen, die man ohnehin nicht ändern kann. Auch wenn man sein Bestes gebe und alle Kräfte mobilisiere, müsse man eine demütige Haltung bewahren. „Das große Unbekannte, das alle Planungen zunichte macht, gibt es bei jedem Gipfelsturm. Am Everest ist es das Wetter“, so Helga Hengge. Wenn das Team gespürt hat, dass sich das Wetter ändert, habe es so schnell wie möglich den Rucksack gepackt und sei ins Basislager zurückgekehrt. An den darauf folgen- den langen Sturmtagen sei die Stimmung im Team oft düster und unsicher geworden und alle hätten sich gefragt, „schaffen wir es überhaupt noch, unser Ziel zu erreichen?“

Kräfte sammeln.

„Die Zeit der Stürme, so haben es die Sherpas uns gelehrt, müssen wir nutzen, um die nötige Kraft für den Aufstieg zu sammeln, anstatt sich über verpasste Chancen zu ärgern und dabei unnötig Kraft zu lassen“, erläuterte Hengge. Immer wieder betonte die Extrembergsteigerin dieBedeutung des Teams. Expeditionsteilnehmer, die nur aus Budgetgründen eine Gruppe bildeten und in Wahrheit als Einzelkämpfer den Berg besteigen wollten, standen untereinander unter größter Konkurrenz, weil jeder der erster auf dem Gipfel sein wollte. Sie alle, so Hengge, kehrten einer nach dem anderen enttäuscht zurück und keiner von ihnen schaffte es auf den Gipfel.

Herausforderung Mount-Everest.

Die Tibeter nennen den höchsten Berg der Erde Chomolungma, Muttergöttin der Erde. Der Mount Everest ist mit 8848 Metern der höchste von 14 Achttausendern im Himalaya und wurde nach dem britischen Landvermesser Sir George Everest benannt. Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay gelang am 29. Mai 1953 die Erstbesteigung über die Südroute in Nepal. Am 27. Mai 1999 schaffte Helga Hengge über die Nordroute in Tibet als erste Deutsche die erfolgreiche Besteigung. Eine Expedition auf den Mount Everest dauert etwa zwei Monate. Kritisch für alle Bergsteiger ist die Akklimatisierung, das heißt, den Körper an die dünne Luft zu gewöhnen. Mit steigender Höhe sinkt der Sauerstoffpartialdruck und auf einer Höhe von 5000 Metern kann der Körper im Vergleich zur Meeresspie- gelhöhe nur noch etwa die Hälfte des Sauerstoffs aus der Luft aufnehmen, über 7500 Metern ist es nur noch ein Drittel. Auf 8000 Metern beginnt die sogenannte „Todeszone“, eine Zone in der der Körper degeneriert und sehr stark an Kräften verliert. Der Aufstieg auf der Nordroute beginnt auf einer Höhe von 5200 Metern. Am Ende des Rongbukgletschers wird das Basecamp errichtet. Der Aufstieg zum vorgeschobenen Base Camp beträgt etwa 24 Kilometer und führt durch das östliche Rongbuktal an den Fuß der Nordsattel- Wand auf 6400 Meter. Von dort werden vier Höhen- campsfürdenAufstiegzumGipfelerrichtet.Daserste Camp steht auf dem 7000 Meter hohen Nordsattel, das zweite Camp am Ende einer langen Traverse auf 7600 Metern, Camp 3 darüber in den Felsen auf 7900 Meter Höhe und Camp 4 auf 8300 Meter Höhe in der Nordwand. Die Crux der Nordroute ist die zweite Stufe, die auf 8600 Metern etwa 20 Meter fast senkrecht in die Höhe ragt. Von dort führt die Route auf dem Grat an der Kangshungwand (Ostwand) entlang über unebene Geröll- und Schneepassagen in ein steiles Gipfelschneefeld. Der Gipfel des höchsten Berges der Welt ist übrigens nur so groß wie zwei zusammengeschobene Küchentische.  

Quelle: BAU AKTUELL 02/2014

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